Bordelle gibt es in fast jeder Stadt. In einigen Städten ist es legal, in anderen nicht. In München ist die Geschichte der Bordelle recht interessant und komplex. In diesem Artikel erzählen wir vom Leben der Münchner Bordelle in verschiedenen Epochen und über das älteste Bordell der Stadt. Mehr dazu auf munichka.eu.
Allgemeine Geschichte der Bordelle in München

Im Jahr 1910 gab es in München 197 registrierte Sexarbeiterinnen, wobei die Zahl der nicht registrierten deutlich höher war. Im Laufe der Zeit wurden die Einschränkungen immer strenger.
Seit den 1970er Jahren dürfen Bordelle in München nur in wenigen Vierteln des sogenannten „Rotlichtbezirks“ betrieben werden. In den 1970er Jahren gab es Proteste unter dem Namen „Dirnenkrieg“, woraufhin die Stadtverwaltung die Kontrolle über die Prostitution verstärkte. Diese Proteste begannen, als die Behörden versuchten, Bordelle im Zentrum von München während der Olympischen Spiele zu schließen. Sexarbeiter und ihre Unterstützer gingen lautstark auf die Straße. Als Antwort darauf vergrößerte die Verwaltung die Zone, in der Bordelle verboten wurden. Seitdem wurden etwa 97 % der Stadtfläche zu Sperrbezirken erklärt. Dieses Regelwerk führte dazu, dass Bordelle an den Stadtrand verlagert wurden, was die Arbeitsbedingungen und die Sicherheit der Sexarbeiter stark beeinflusste.
Der Kampf gegen Prostitution in München gilt als beispielhaft, zumindest was die Maßnahmen der Behörden zur Registrierung von Sexarbeiterinnen und zur Kontrolle der Bordellsituation betrifft. Vor Arbeitsbeginn müssen sich die Sexarbeiterinnen bei der Polizei melden und in die „Prostitutionskartei“ eintragen lassen. 2012 waren in München 2760 Sexarbeiterinnen registriert.
Die größten Bordelle oder ähnliche Einrichtungen befinden sich heute in den Vierteln Lerchenau und Hasenbergl sowie im Euro-Industriepark. Viele Sexarbeiterinnen bieten jedoch auch in Hotels außerhalb der legalen Zone ihre Dienste an.
Das älteste Bordell Münchens und seine Geschichte
Das älteste Bordell in München heißt „Leierkasten“. Es wurde weltberühmt durch die „Prostituiertenrevolte“. Es wurde im September 1971 eröffnet und fiel bald darauf den neuen Stadtgesetzen zum Opfer. Damals protestierten die Sexarbeiterinnen nackt auf dem Dach des Bordells.
1972 fanden in München die Olympischen Spiele statt. Man erwartete etwa 2,5 Millionen Besucher in der Stadt, darunter etwa 10.000 Sexarbeiterinnen. Die Stadtverwaltung beschloss, die Prostitution im Stadtzentrum zu verbieten. Als Reaktion gingen die Sexarbeiterinnen des „Leierkasten“ auf die Straße. Unterstützt wurden sie von Studenten und Profisportlern, die mit Plakaten ihre „Mädchen“ unterstützten. Laut Augenzeugen zogen Hunderte Frauen mit entblößter Brust und in schwarzer Reizwäsche an den Polizeibeamten vorbei.
Die Proteste dauerten drei Tage an und beinhalteten interessante Aktionen wie Striptease auf den Dächern, Tänze mit der Polizei und Straßensperren durch Sexarbeiterinnen. Die spektakulären Darbietungen zogen die Aufmerksamkeit der internationalen Presse auf sich. Trotz der Proteste wurde das Bordell im Zentrum geschlossen und musste in ein anderes Stadtviertel umziehen.
Diese Geschichte inspirierte die Musiker der deutschen Band „Spider Murphy Gang“ 1981 zum Song „Skandal im Sperrbezirk“, der zum Symbol des Kampfes für die Rechte der Sexarbeiter wurde und eine neue Welle politischer und ethischer Debatten in der Stadt und im Land auslöste.
Das Bordell „Leierkasten“ ist bis heute in Betrieb. Der Betrieb läuft nach dem gleichen Prinzip: 45 Angestellte des Hauses arbeiten selbstständig und mieten Räume für 195 Euro pro Tag. Im Preis enthalten sind ein eigenes Zimmer mit Dusche, Kühlschrank und Fernseher. Das Bordell erfüllt die Anforderungen des Prostituiertenschutzgesetzes, das 2017 in Kraft trat.
Die Geschichte der Münchner Bordelle ist also sehr interessant und vielschichtig. Die Stadtverwaltung Münchens versucht, die Interessen aller Seiten zu berücksichtigen, was jedoch äußerst schwierig ist. Bordelle bestehen in der Stadt weiterhin, jedoch unter gewissen Einschränkungen und Auflagen.