Dieses Etablissement ist untrennbar mit der Geschichte des Münchner Nachtlebens verbunden. Das älteste und bekannteste Bordell der Stadt, der „Leierkasten“, war jahrzehntelang ein beliebter Ort der Unterhaltung, der das gesellschaftlich-kulturelle Leben der bayerischen Hauptstadt maßgeblich mitprägte. Mehr dazu erfahren Sie auf munichka.eu.
Die Gründungsgeschichte
Der „Leierkasten“ öffnete seine Pforten erstmals 1971. Es war ein aufsehenerregendes Ereignis, das durch reißerische Schlagzeilen in den Medien die öffentliche Aufmerksamkeit noch steigerte. Zunächst befand sich das Etablissement in der Münchner Zweigstraße, die später zum Epizentrum der „Münchner Hurenkriege“ wurde. Auslöser des Konflikts waren Versuche, den Betrieb des Bordells zu schließen oder strenger zu regulieren, worüber es sich lohnt, im Detail zu berichten. Diese Informationen schafften es bis in die führenden Printmedien Deutschlands. Dieser Skandal, der in der Frühphase des „Leierkastens“ ausbrach, machte ihn bundesweit bekannt.
Ein weiteres interessantes Detail war die strenge Regulierung der Prostitution: Das Bordell lag in einer Sperrzone, also einem Gebiet, in dem die Straßenprostitution verboten war. Unter diesen Bedingungen etablierte sich der „Leierkasten“ als ein Symbol für ein lebendiges, legales und gut organisiertes Zentrum der Sexindustrie. Im Laufe der Zeit diente dieser Ort als Kulisse für mehrere Filme und Fernsehshows und reichte damit weit über die Grenzen der reinen Sexarbeit hinaus.
Ein Wahrzeichen für Münchner und Touristen
Das Bordell, das sich an der Ecke Ingolstädter Straße und Frankfurter Ring, unweit des großen Gewerbeparks „Euro-Industriepark“, etablierte, trug an seiner Fassade den berühmten Slogan:
„Du kommst als Fremder und gehst als Freund“
Das Etablissement wurde zu einem echten Orientierungspunkt in der Stadt, der Einheimischen und Touristen gleichermaßen gut bekannt war.
Dieser Slogan erlangte eine solche Berühmtheit, dass der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude ihn in abgewandelter Form für seinen politischen Kampf nutzte. Er wollte damit seine Distanz zur bayerischen Sozialdemokratischen Partei und zur Landespolitik betonen. Daher paraphrasierte er den Spruch wie folgt:
«Du kommst als Freund und gehst als Fremder»
Christian Ude gelang es, die populäre Bekanntheit des „Leierkastens“ für eine scharfe politische Kritik zu instrumentalisieren.

Das „Eros-Center“ Leierkasten
Ursprünglich befand sich das Etablissement in der Zweigstraße, nahe dem Münchner Hauptbahnhof. Gründer war der bekannte Frankfurter Bauunternehmer und „Bordellkönig“ Willi Scheutz. Er erhielt 1969 die Genehmigung zur Eröffnung des Bordells und erwarb das Gebäude für 7 Millionen D-Mark. Das Projekt wurde von Gerhard Littmann, dem damaligen Polizeipräsidenten von Frankfurt, unterstützt. Die Gründung des Bordells sollte seiner Ansicht nach ein Weg sein, um zahlreichen Beschwerden über die „gewerbliche Prostitution“ in Wohngebieten entgegenzuwirken.
An der Finanzierung des Objekts war auch Walter Staudinger beteiligt, bekannt als der „Pate von München“ (1920 – 2001). Staudinger war ein bekannter deutscher Unternehmer (im Bereich des „Rotlichtviertels“ und der Spielautomaten). Monatlich zahlten 65 Prostituierte jeweils 2170 D-Mark Miete für ihre Zimmer.
Am Abend des 10. April 1972 übernahm die Polizei die Kontrolle über das Gebäude, da sie im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 1972 keine sichtbare Sexindustrie im Stadtzentrum dulden wollte. Die Polizei wies Freier ab, und den Sexarbeiterinnen wurde die Nachtarbeit untersagt.
Einige Frauen boten aus Protest probeweise ihre Dienste auf anderen Straßen an. Die Versuche des „Bordellkönigs“ Willi Scheutz, das Nachtlokal in den Stadtteil Solln zu verlegen, scheiterten.
Später wurde festgestellt, dass die Maßnahmen des jungen CSU-Stadtrats und damaligen Polizeipräsidenten Manfred Schreiber maßgeblich zur Auslösung der „Hurenkriege“ beitrugen. Die Damen erwirkten einen außergerichtlichen Vergleich, der die Annahme von Kunden regulierte. Von 20:00 bis 00:30 Uhr durften sie niemanden bedienen.
Das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs in München war eindeutig: Das Anbieten und Betreiben gewerblicher Prostitution im Stadtzentrum, selbst in geschlossenen Häusern, ist strengstens untersagt.

Die Neu-Eröffnung
Anschließend zog das bekannte Etablissement in die Ingolstädter Straße um. Hans Frötz führte das Bordell von 1978 bis 1990. Er führte die Praxis ein, bekannte Stars in den „Leierkasten“ einzuladen. So besuchten beispielsweise der amerikanische Boxer Muhammad Ali, der brasilianische Fußballer Pelé, und der argentinische Fußballer und Trainer Diego Armando Maradona das Münchner Bordell.
Hans Frötz blieb nicht untätig und eröffnete 1989 in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs das „Sport-Café Schiller“.
Von der Wiedereröffnung an wurde die Fassade des Bordells umgestaltet, und die lokalen Medien berichteten erneut über das Etablissement. Zunächst wurden dem Bordell 1,6 Millionen D-Mark aus einem Lotteriegewinn zugesprochen. Die Zeitungen berichteten, dass ein Polizist aus Ottobrunn diese großzügige Spende im Jahr 1990 gemacht hatte.
1995 hatte der Sportjournalist Rolf Tepperwein eine angenehme Zeit im „Leierkasten“, vergaß jedoch, seine Rechnung zu begleichen. Der Vorfall wurde zu einem regelrechten Skandal, und der Name sowie die Aktivitäten des Bordells erlebten eine neue Welle der Popularität.

Der aufsehenerregende Fall Friedrich Ewald
Im Jahr 2001 wurde der Pächter des Bordells mit dem Spitznamen „Dicker Fratz“ (bürgerlicher Name: Friedrich Ewald) verhaftet. Zusammen mit ihm erwarteten 17 weitere bekannte Persönlichkeiten des Münchner Rotlichtmilieus die Justiz. „Dicker Fratz“ wurde wegen Ausbeutungsprostitution, Förderung der Prostitution und Steuerhinterziehung angeklagt. Hauptziel der Verhaftungen war die Zerschlagung der Münchner Sexmafia.
Das Gericht befand die Beweise als nicht überzeugend, und Zuhälterei galt als schwer nachweisbar. Die Anklage wegen Steuerhinterziehung wurde nicht weiter verfolgt (oder abgewiesen). Schlussendlich wurden die Angeklagten freigesprochen.
Wiedereröffnung und Modernisierung
Nach einer kurzen Pause wurde das Bordell 2004 erneut eröffnet.
Die nächste Phase in der Geschichte des „Leierkastens“ war ein umfassendes Umbauprojekt von Herbst 2013 bis Juni 2014. Diese weitreichende Modernisierung zielte darauf ab, den Betrieb des Münchner Bordells zu erhalten und zu erweitern. Hauptanliegen des neuen Pächters war es, das traditionelle Bordellgeschäft in einem modernisierten Format fortzuführen.
Das Gebäude wurde vollständig renoviert und die Fläche auf 600 m² erweitert. Dadurch konnte der neue Pächter die Arbeits- und allgemeinen Bereiche vergrößern. Auch die Zimmer im Erdgeschoss wurden erweitert. Es wird angenommen, dass die Sexarbeiterinnen ihre Zimmer genau in diesem Erdgeschoss mieteten. Im Rahmen der Modernisierung wurden Teile der originalen Fenster verändert, um die Privatsphäre zu erhöhen.
Eine der Schlüssel-Innovationen des Projekts war die Einrichtung eines Wellness-Bereichs. Dadurch erhielten Kunden und Sexarbeiterinnen zusätzliche Möglichkeiten zur Entspannung und Erholung.
Es ist bemerkenswert, dass trotz des Umbaus der traditionelle Name „Leierkasten“ beibehalten wurde. Das Etablissement behielt seinen Status als ikonischer Teil des Münchner Rotlichtviertels. Nach der Renovierung zierte weiterhin sein berühmter geflügelter Satz die Fassade.

Der „Leierkasten“ – eine lebende Legende
Die Geschichte dieses Kult-Etablissements ist in der Tat faszinierend. Sie umspannt die Zeit von der Gründung und Konfliktjahren über Umzüge und Umbauten bis hin zur Transformation in ein modernes „Eros-Center“. Der „Leierkasten“ ist zu einer lebenden Legende geworden, die die Veränderungen in der gesellschaftlichen Moral, den Gesetzen und der Wirtschaft Münchens widerspiegelt. Dieses Etablissement war nicht nur Zeuge, sondern in einer bestimmten Phase auch aktiver Teilnehmer der Münchner Geschichte. Der Einfluss des „Leierkastens“ war in den Kriminalchroniken und politischen Debatten spürbar und fand seinen Niederschlag in der Massenkultur.
In Diskussionen über die Sexindustrie in Deutschland wird unweigerlich das älteste und bekannteste Bordell Münchens zur Sprache kommen.
