In München gibt es zahlreiche Straßen, die nach bedeutenden Bürgerinnen benannt sind. Die Stadtverwaltung bemüht sich, die Zahl solcher Straßen kontinuierlich zu erhöhen und so die Bedeutung des weiblichen Beitrags zur Stadt- und deutschen Geschichte zu unterstreichen. In diesem Artikel berichten wir über die Bürgerinnen, nach denen Münchner Straßen benannt wurden. Mehr dazu auf munichka.eu.
Geschwister-Scholl-Platz
Der Geschwister-Scholl-Platz in München vor der Ludwig-Maximilians-Universität München ist nach Hans und Sophie Scholl benannt, die während des Zweiten Weltkriegs gegen die Nazis kämpften. Die Geschwister studierten an der Universität und gründeten dort die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Sie verteilten Flugblätter, wurden jedoch verhaftet und hingerichtet. Vor dem Haupteingang der Universität erinnert das Denkmal „Weiße Rose“ in Form verstreuter Flugblätter an ihr Vermächtnis. Auf dem Platz befindet sich auch ein großer Brunnen.
Die Geschichte von Sophie Scholl ist alles andere als einfach. Es gibt Hinweise darauf, dass sie lange Zeit eine Anhängerin des Hitler-Regimes war. Beispielsweise trat sie mit 13 Jahren dem sogenannten „Bund Deutscher Mädel“ bei, der von den Nationalsozialisten organisiert wurde, und drei Jahre später der Hitlerjugend. Doch später nahm Sophie eine entgegengesetzte Haltung ein. Der persönliche Entwicklungsweg dieser jungen Frau war außergewöhnlich. Sophie ging dank ihres Mutes und ihrer Prinzipien in die Geschichte ein.
Sophies Entschlossenheit wurde durch äußere Einflüsse gestärkt, wie ihre Korrespondenz mit dem Freund Fritz Hartnagel, der als Sanitäter im Krieg tätig war und ihr über Kriegsgräuel und die Verfolgung von Juden berichtete. Ein einschneidendes Erlebnis für Sophie war die Verhaftung ihres Vaters, weil er in einem Gespräch mit einem Freund Hitler kritisiert hatte. Während ihres Studiums an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo auch ihr Bruder Hans studierte, schlossen sich die Geschwister der Gruppe „Weiße Rose“ an und kämpften mit anderen Studierenden und einem Professor gegen das Hitler-Regime. Die Hauptkampfmittel der „Weißen Rose“ waren Flugblätter, die zur Revolution gegen Hitler aufriefen. Für ihren Widerstand wurden Sophie und ihr Bruder auf der Guillotine hingerichtet.
Anni-Albers-Straße

Anni Albers war eine deutsche Künstlerin und Revolutionärin des 20. Jahrhunderts, die sich auch im Bereich Textildesign einen Namen machte. Ihre Textilarbeiten inspirieren moderne Modedesigner, auch wenn Albers selbst der Mode wenig Bedeutung beimaß. Ihre Leidenschaft galt jedoch in erster Linie der Malerei. Albers strebte ein Studium an der experimentellen Kunst- und Designschule Bauhaus an, doch sie stellte fest, dass selbst in dieser modernen Schule Frauen getrennt von Männern ausgebildet wurden und meist Weberei oder Keramik lernten. Sie verabschiedete sich von ihrem Traum, Malerin zu werden, und widmete sich der Textilgestaltung.
Ihre Werke wurden im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) ausgestellt. An der Bauhaus-Schule machte sie große Fortschritte und wurde später Leiterin der Webabteilung. Albers glaubte an die Funktionalität der Kunst, weshalb sie die Bauhaus-Prinzipien schätzte. Sie unterstützte die Industrialisierung und Massenproduktion im Webereibereich und nutzte häufig kreative Materialien wie Zellophan.
Albers‘ Arbeiten wurden in großen Museen weltweit ausgestellt, darunter auch in München. Dort ist sie nach wie vor bei Sammlern und Kunstliebhabern sehr bekannt.
Anita-Augspurg-Straße
Anita Augspurg kam nach München, um Fotografin zu werden. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Sophia Goudstikker eröffnete sie das Fotostudio „Elvira“, das schnell Bekanntheit erlangte, da Anita gut in der Münchner Kulturszene vernetzt war. Sie war die erste Frau in Deutschland, die den Doktortitel erlangte. Durch ihren modernen Lebensstil und ihre gesellschaftliche Haltung erregte sie große Empörung. Gemeinsam mit anderen Pazifistinnen verbreitete Anita vor dem Ersten Weltkrieg Flugblätter gegen den Krieg und forderte die Hinrichtung Hitlers.
Lena-Christ-Straße
Lena Christ war eine bayerische Schriftstellerin, deren Leben von Gewalt und Entbehrungen geprägt war. Schon in jungen Jahren musste sie viel arbeiten, später heiratete sie einen Trinker und ihre Kinder kamen ins Waisenhaus.
Ihr zweiter Mann unterstützte die Schriftstellerin. Christ beschrieb in ihren Werken das Leben der Arbeiterklasse jener Zeit. Da das Schreiben ihr nur wenig Einkommen brachte, musste sie andere Arbeiten annehmen. Lena Christ nahm sich schließlich auf einem Friedhof das Leben. In München wurde eine kleine Straße nach ihr benannt, die ebenso kurz ist wie ihr Leben.
Annette-Kolb-Straße
Annette Kolb war eine deutsche Schriftstellerin, Tochter eines Deutschen und einer Französin. Der Einfluss beider Kulturen prägte ihr Schaffen. Während des Ersten Weltkriegs äußerte sie sich oft pazifistisch. Annette durfte bald nicht mehr reisen oder korrespondieren. Sie emigrierte in die Schweiz und später nach New York. Nach dem Krieg lebte sie abwechselnd in Paris und München. Obwohl sie nicht wohlhabend war, hatte sie viele Freunde und Bekannte und fand stets eine Unterkunft. In ihren Romanen porträtiert Kolb München zur Jahrhundertwende meisterhaft.
So tragen viele Straßen in der Stadt die Namen bedeutender Frauen, die sich leidenschaftlich ihrer Berufung widmeten oder eine mutige Haltung vertraten. Unter ihnen sind sowohl Frauen aus Kunst und Kultur als auch echte Revolutionärinnen. Die Geschichten dieser bemerkenswerten Bürgerinnen leben weiter und inspirieren junge Münchnerinnen zu neuen Erfolgen.