Der Feminismus steht seit seiner Entstehung vor vielen Herausforderungen. In Deutschland setzen sich Gegner der Bewegung weiterhin dafür ein, das Rad der Zeit zurückzudrehen – in eine Zeit, in der Frauen kein Wahlrecht hatten, das Heim hüteten und die Zierde ihrer Männer waren. Feministische Parteien und Bewegungen in Bayern kämpfen weiter für Führungspositionen für Frauen in der Arbeitswelt und im Parlament, für Lohngleichheit mit Männern und gegen Sexismus und Geschlechterungleichheit, berichtet munichka.eu. Mehr über den Feminismus in München – hier.
Eine Pionierin des deutschen Feminismus
Als Pionierin der Frauenbewegung in Bayern gilt Ellen Ammann, deren Mut weithin bekannt war. Sie erlangte Berühmtheit, als sie als Erste die bayerische Regierung am 9. November 1923 über den Hitlerputsch informierte. Ellen organisierte den Widerstand und sorgte dafür, dass ein Auto für bayerische Politiker bereitstand, das sie aus dem gefährlichen München nach Regensburg brachte. Der Putsch scheiterte dank Ellen Ammanns Bemühungen.
Ellen kam im Alter von zwanzig Jahren nach München. Obwohl sie sechs Kinder großzog, verspürte sie das Bedürfnis, sich selbst zu verwirklichen. Damals hatten Frauen kein Wahlrecht, kaum Bildungschancen, wenig Einfluss auf ihre Karriere und keine freie Wahl bei der Partnerwahl. Deshalb war Ellen überzeugt, dass Bildung für Frauen von entscheidender Bedeutung ist. Sie konzentrierte sich auf junge Frauen in schwierigen sozialen Lagen, wie Hausangestellte oder Frauen mit ungewollten Schwangerschaften.
Ihr Ehemann war Orthopäde, und Ellen erlebte hautnah die Folgen harter körperlicher Arbeit, denen Frauen ausgesetzt waren. Anfang des 20. Jahrhunderts zog es immer mehr Frauen vom Land in die Städte, wo Prostitution und Menschenhandel, besonders an Bahnhöfen, florierten.
Ammann entschied, dass es notwendig sei, sonntägliche Gottesdienste am Münchner Hauptbahnhof abzuhalten, unterstützt von Pater Rupert Mayer. Die Katholische Bahnhofsmission wurde 1897 gegründet und war die erste ihrer Art in Deutschland. 1904 gründete Ellen Ammann die Münchner Zweigstelle des Katholischen Frauenbundes und kann somit als Pionierin des Feminismus in Deutschland betrachtet werden.
Nach dem Ersten Weltkrieg kämpften Ellen und Luise Kiesselbach für die Unterstützung kinderreicher Familien. Ammann wurde zu einer der ersten weiblichen Abgeordneten im Bayerischen Landtag und setzte sich dort bis zu ihrem Tod 1932 entschlossen für Frauenrechte ein. Sie war der Ansicht, dass sich die Lage der Frauen durch Bildung, soziale Verpflichtungen und Kommunikation verbessern ließe.
Wichtige Veränderungen durch die Aktivitäten der Frauenvereine waren besonders in ländlichen Gebieten spürbar, wo einkommensschwache, kranke und kinderreiche Familien Unterstützung erhielten. Dank dieser Vereine konnten sich viele Frauen zumindest zeitweise von harter Arbeit erholen.

Der Verlag Frauenoffensive
Mitte der 70er-Jahre war München ein Zentrum des Feminismus und eines der größten Freiheitsbewegungen in Deutschland. Parallel dazu wurde der Verlag Frauenoffensive gegründet, und bald darauf eröffnete an der Arcisstraße die erste Frauenbuchhandlung der Bundesrepublik.
In München herrschte eine aufgeladene feministische Stimmung. Frauen hatten genug von der Isolation und den Verboten in der Männerwelt. Sie begannen, an sich zu denken und sich selbst zu verwirklichen. Literatur spielte in dieser Zeit eine bedeutende Rolle, wie etwa der Roman „Häutungen“ von Verena Stefan. Die Autorin vertrat die Ansicht, dass Männer und Frauen gleiche Rechte haben sollten und niemand aufgrund seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden dürfe.
Das Schlimmste, so Verena Stefan, war, dass die meisten Männer eine solche Gesellschaftsordnung als normal und richtig empfanden. Frauen kämpften nicht nur um Gleichberechtigung auf dem Papier, sondern auch für gleiche Bezahlung, gleiche Rechte und Arbeitsplätze. Viele Männer hielten solche Forderungen in den 70ern und auch heute noch für undenkbar. Das Gleichberechtigungsgesetz von 1950 existierte bereits, blieb jedoch weitgehend wirkungslos.
1975 hatten die Frauen genug. Es war an der Zeit, den Weg zur Gleichberechtigung einzuschlagen. In München lag Veränderung in der Luft, und Frauen traten entschlossen für ihre Rechte ein. Die Gespräche über Kirche, Küche und Kinder reichten nicht mehr aus. Das Thema der Emanzipation vom traditionell patriarchalen Familienmodell wurde zum Fokus.
Viele Frauen, die Seite an Seite mit Männern arbeiteten, verhielten sich so, wie es von ihnen erwartet wurde. Doch nur in Räumen, die Männern verwehrt blieben, konnten Frauen wirklich sie selbst sein und Gemeinsamkeiten entdecken. In dieser Umgebung wurde der Kampf gegen das Patriarchat möglich.

Die Grünen München
Ein besonders umstrittenes Thema war die Münchner Bewegung für das Leben, organisiert von Abtreibungsgegnern. Ursula Harper, eine führende Persönlichkeit der Münchner Grünen, betont, dass die Möglichkeit, in einer sicheren Umgebung und ohne Druck einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen, eine Errungenschaft der Frauenbewegung ist, die jedoch durch Abtreibungsgegner bedroht wird.
Nach Angaben des Informationszentrums in München gibt es etwa 16 Clubs, die sich gegen Abtreibungen aussprechen und den sogenannten Lebensschutz befürworten, der ein Verbot von Abtreibungen anstrebt. 2020 fanden rund 20 Aktionen dieser Art statt, und im Gegenzug organisierte das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung Gegenproteste. Abtreibungsgegner versuchten, Frauen vor Kliniken abzufangen und ihnen ihre Ansichten aufzuzwingen.
Frauen, die vor der Entscheidung über eine Abtreibung stehen, befinden sich in einer äußerst schwierigen Situation und müssen zusätzlich den Druck der Lebensschützer ertragen. Laut einem Bericht des Gesundheitsamtes aus dem Jahr 2020 gibt es auch Probleme mit Medikamenten und medizinischem Personal für Schwangerschaftsabbrüche, erläutert Ursula Harper.
Joel Kellgauer, ebenfalls Mitglied der Grünen München, betont, dass Frauen Zugang zu Abtreibungen und Beratungszentren ohne Belästigung erhalten sollten. In München dürfe es keinen Platz für antifeministische Ideologien geben.

Frauen und Politik
Am 27. April wird in München der Girls’ Day gefeiert. Die Grünen München setzen sich aktiv dafür ein, dass mehr Frauen in die Politik kommen. Es geht dabei um mehr als nur um Geschlechtergerechtigkeit; Ziel ist es, die Stadt politisch offener, vielfältiger und lebendiger zu gestalten.
Der bundesweite Girls’ Day bietet Orientierung in Fragen zu Karriere und Ausbildung. Die Grünen München kritisieren, dass der Frauenanteil in der deutschen Politik immer noch sehr niedrig ist, und das betrifft nicht nur die Kommunalpolitik, sondern auch die nationale und internationale Ebene. Frauen sollten in politische Entscheidungen eingebunden werden, da sie Perspektiven einbringen können, die die Gesellschaft weiterbringen. Das Gesetz „Die Hälfte der Macht“ soll mehr Gerechtigkeit in der Politik gewährleisten, so Svenja Jarchow, eine der Führungspersönlichkeiten der Münchner Grünen.
Nicht alle Büros in Bayern haben Gleichstellungsbeauftragte, und diese Struktur ist oft unzureichend vorhanden. Damit diese Beauftragten ihre Aufgaben effektiver wahrnehmen können, sollten gesetzliche Normen und mögliche rechtliche Schritte eingeführt werden. Zu den positiven Entwicklungen gehört, dass 60 % der Stadtratsmitglieder der grün-rosa Fraktion in München Frauen sind – ein positives Beispiel für die Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungen.