Eleonore Baur – Krankenschwester und NSDAP-Mitglied

In München zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es viele Menschen, deren Handlungen Spuren in der Geschichte der Stadt hinterließen. Unter ihnen war Eleonore Baur, bekannt als „Schwester Pia“. Sie war im Ersten Weltkrieg in der medizinischen Versorgung aktiv, engagierte sich in politischen Bewegungen, die das Leben Münchens veränderten, und befand sich zeitweise im Zentrum des nationalsozialistischen Regimes. Ihr Leben vereinte Gegensätze: Pflege Verwundeter und Teilnahme an paramilitärischen Organisationen, Einfluss auf Menschen und kontroverse Macht in Lagern. Faszinierend, nicht wahr? Um die ganze Kraft dieser Frau zu verstehen, lohnt es sich, den Artikel weiterzulesen. Mehr dazu auf munichka.eu.

Prägung von Eleonore Baur

Eleonore Baur wurde am 7. September 1885 in der Nähe von Bad Aibling in Bayern geboren. Ihre Mutter starb, als sie nur wenige Monate alt war, und die Erziehung übernahm der Vater zusammen mit der Stiefmutter. In München wuchs sie in einem Haushalt auf, in dem sie sich an neue Regeln und Umstände gewöhnen musste, und verbrachte ihre Kindheit zwischen Haus und Straße.

Die Schulzeit endete früh – etwa im Alter von vierzehn Jahren schloss sie die Schule ab. Bereits damals arbeitete sie selbstständig: Eleonore wurde Assistentin einer Hebamme, half bei Geburten und betreute Mütter sowie Neugeborene. In München fanden praktische Übungen in gemeinnützigen Einrichtungen und Krankenhäusern statt, in denen sie Erfahrung sammelte, Ausdauer lernte und Verantwortung übernahm.

Frühe Verluste und strenge familiäre Bedingungen prägten ihren Charakter: Sie gewöhnte sich schnell an Schwierigkeiten und lernte, schwierige Entscheidungen zu treffen. Die Arbeit mit Menschen, die Hilfe benötigten, förderte Disziplin und Einsatzbereitschaft. Diese Erfahrungen hinterließen zweifellos Spuren in ihrem weiteren Leben und beeinflussten die Wahl ihres Berufs sowie später ihr politisches und soziales Engagement in der Stadt.

Eleonore Baur im Ersten Weltkrieg

Als der Erste Weltkrieg begann, arbeitete Eleonore Baur als Krankenschwester und betreute Verwundete an den Fronten und in Krankenhäusern. Sie half verletzten Soldaten, versorgte Wunden, überwachte den Gesundheitszustand und unterstützte sie emotional in schweren Zeiten. In der Stadt und Umgebung wurden Feldlazarette eingerichtet, und sie wurde in den am stärksten belasteten Bereichen eingesetzt, wo der Bedarf an medizinischer Hilfe am größten war.

Während ihrer Dienstzeit erhielt Baur mehrere Auszeichnungen und Medaillen für ihre Verdienste in der Pflege Verwundeter. Ihre Arbeit zeichnete sich durch hohe Hingabe und Belastbarkeit aus, was sowohl von der Krankenhausleitung als auch von militärischen Kommandeuren anerkannt wurde. Die Medaillen bestätigten ihre Professionalität und die Fähigkeit, unter ständigem Stress und Gefahren zu arbeiten.

Erfahrungen während des Krieges halfen ihr später, sich in politische und paramilitärische Strukturen nach dem Krieg zu integrieren. Die medizinische Praxis und die Arbeit mit Verwundeten ermöglichten Kontakte zu Militärangehörigen, Veteranen und Aktivisten, die das politische Klima im Nachkriegs-München prägten. Diese Zeit legte den Grundstein für ihre spätere Teilnahme an den Freikorps Oberland und ihre enge Verbindung zu politischen Bewegungen in der Stadt.

Die NS-Bewegung in München

Eleonore Baur begegnete Adolf Hitler und Anton Drexler in München Anfang der 1920er Jahre. Berichten zufolge fand das Treffen in einer Straßenbahn statt, und bald darauf trat Baur als eine der ersten Frauen der NSDAP bei. Ihr Mitgliedsnummer lag bei etwa 506, was ihre frühe Teilnahme am Bewegung zeigt. 1923 war Eleonore die einzige Frau, die am Beer Hall Putsch teilnahm – dem von Hitler organisierten Umsturzversuch in München. Sie gehörte zu den Teilnehmern, die die Bierhalle stürmten, und wurde nach dem gescheiterten Putsch mit dem Blutorden ausgezeichnet.

Nach dem Krieg und den revolutionären Ereignissen in der Stadt wurde Baur Mitglied der Freikorps Oberland, einer Organisation ehemaliger Soldaten und Veteranen, die für Ordnung im Nachkriegs-München sorgten. Sie knüpfte Kontakte zu politischen Aktivisten, half bei der Organisation von Versammlungen und Treffen der Parteistrukturen, wodurch ihr Einfluss in der Stadt rapide wuchs.

Für ihr Engagement in Partei- und paramilitärischen Aktivitäten erhielt Baur weitere Auszeichnungen und sogar einen symbolischen Status in der NSDAP – ihr Name wurde mit den frühen Erfolgen der Bewegung verbunden. Der Blutorden bestätigte ihre Teilnahme an Schlüsselereignissen und unterstrich ihre einzigartige Position unter den Frauen dieser Zeit.

Aktivitäten während der NS-Zeit

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb Eleonore Baur in München und hatte Zugang zu den Lagern Dachau und München-Schwabing. Dort leitete sie weibliche NSDAP-Organisationen, bekannt als Schwesternschaft, die auch Hilfe für Veteranen, Verwundete und Parteifunktionäre organisierten.

Im Lager München-Schwabing leisteten Gefangene Zwangsarbeit auf Baurs Anwesen und für verschiedene Bauprojekte der Partei. Sie koordinierte diese Aufgaben, überwachte deren Ausführung und hielt den administrativen Kontakt zur Lagerleitung.

Darüber hinaus organisierte Baur Veranstaltungen und Schulungen für Parteifrauen, überwachte medizinische Punkte und die Versorgung von Veteranen. Diese Aktivitäten verbanden medizinische Erfahrung mit politischem Engagement und spiegelten ihre ständige Präsenz im Zentrum der städtischen Ereignisse wider. Gleichzeitig waren ihre Handlungen ambivalent, da neben der Hilfe für Veteranen und Pflege Verwundeter auch Zwangsarbeit durchgeführt wurde und Einfluss auf Gefangene zur Erfüllung privater und parteilicher Aufgaben genutzt wurde.

Nachkriegszeit

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Eleonore Baur von den Alliierten verhaftet. Sie durchlief Entnazifizierungsverfahren in München, in denen die Gerichte ehemalige NSDAP-Mitglieder und Funktionäre prüften. Dabei wurde ihr Engagement in Lagern, ihre Arbeit mit weiblichen Organisationen und ihre Rolle bei politischen Veranstaltungen während der NS-Zeit berücksichtigt. Das Gericht verhängte über Baur eine Strafe in Form von Freiheitsbeschränkung und Zwangsarbeit, Teile ihres Besitzes wurden konfisziert.

Nach der Verbüßung kehrte Eleonore nach Oberhaching in die Umgebung Münchens zurück, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Sie versorgte eine kleine Familie und erledigte alltägliche Aufgaben, blieb aber als bekannte Persönlichkeit unter Einheimischen in Erinnerung, die ihre Aktivitäten vor und während des Krieges kannten. Zudem wurden Dokumente und Zeugnisse über ihr Wirken gesammelt, die Historikern halfen, die Chronologie der Ereignisse nachzuvollziehen und den Einfluss dieser einflussreichen Frau einzuschätzen.

Historische Bewertung

Historiker betonen, dass das Bild von Eleonore Baur ambivalent bleibt: Sie wird als aktive Frau erinnert, die am politischen Leben Münchens teilnahm, aber gleichzeitig auf ihre Verstrickung in Strukturen des NS-Regimes hingewiesen. Eleonore Baur starb 1981 und hinterließ zahlreiche Archive und Erinnerungen. Ihre Geschichte wird weiterhin genutzt, um zu erforschen, wie Frauen während schwieriger und gefährlicher Zeiten aktiv am politischen und sozialen Leben einer Stadt teilnehmen konnten.

Quellen:

  1. https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/baur-eleonore-67
  2. https://www.karl-leisner.de/wp-content/uploads/2013/02/rdbr50s.pdf
  3. https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/muenchen-schwabing
  4. https://www.tracesofwar.com/persons/81901/Baur-Eleonore-Schwester-Pia.htm
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