Die virtuose Pianistin Sophie Menter aus München

Die Musikgeschichte kennt viele Frauen, deren Talent gesellschaftliche Stereotypen durchbrach. Die Karriere von Sophie Menter sticht jedoch durch ihren Umfang und ihre Vielseitigkeit hervor. In einer Musikerfamilie geboren, entwickelte sie sich zu einer unübertroffenen Pianistin. Sie bereiste ganz Europa und wurde zu einem Symbol für die musikalische Kraft und den Einfluss von Künstlerinnen im 19. Jahrhundert. Erfahren Sie mehr über Münchner Geschichten auf munichka.eu.

Die Musikerfamilie

Sophie Menter wurde 1846 in München geboren. Ihr Vater, Josef Menter, war ein deutscher Cellist am Münchner Hof und Musikpädagoge. Ihre Mutter, Wilhelmine Diepold, war eine bekannte Sängerin. Wilhelmine war so musikalisch begabt, dass ihr ein lokaler Prinz anbot, ihre Ausbildung zu finanzieren. Sie lehnte jedoch ab, da sie keine Karriere anstrebte. Es überrascht daher kaum, dass Sophie schon früh von ihrer Mutter und ihren älteren Schwestern im Klavierspiel unterrichtet wurde.

Sophie Menters Eltern hatten insgesamt neun Kinder, von denen die meisten jung starben. Die älteren Schwestern unterrichteten die kleine Sophie noch vor ihrem Tod, und sie gab ihr Wissen wiederum an ihre jüngere Schwester Eugenia weiter. Auch Eugenia entwickelte sich zu einer versierten Pianistin. In älteren Rezensionen verwechselten Historiker Sophie und Eugenia manchmal.

Ausbildung und frühe Erfolge

Interessanterweise erhielt sie ihre ersten Musikstunden von Sigismund Lebert (Samuel Lévy), einem bekannten deutschen Musikpädagogen und Mitbegründer der Stuttgarter Musikschule.

Sophies Talent war unbestritten, doch ihr Vater wünschte nicht, dass sie ein Konservatorium besuchte. Josef Menter war unheilbar krank und starb, als seine Tochter neun Jahre alt war.

Dennoch trat die junge Musikerin bald ins Münchner Konservatorium ein. Im Alter von 15 Jahren debütierte sie in München mit Carl Maria von Webers Konzertstück op. 79. Später studierte Sophie bei Carl Tausig, einem der bekanntesten Schüler Franz Liszts, sowie bei Hans von Bülow (Liszts Schwiegersohn).

Ihr außergewöhnlicher Fleiß, ihre Intelligenz und ihre Schönheit harmonierten perfekt und ermöglichten ihr, ihre Ziele zu erreichen. Während ihrer Ausbildung dauerten ihre Übungseinheiten manchmal 10 bis 12 Stunden täglich.

Hofdame und Liebschaften

Im Jahr 1868 wurde Sophie Menter Hofpianistin von Prinz Friedrich Wilhelm Konstantin Hermann Thassilo von Hohenzollern-Hechingen und erhielt den Titel einer Königlich Bayerischen Kammervirtuosin. Er war der letzte (neunte) und dritte souveräne Fürst der Grafschaft bzw. des späteren Fürstentums Hohenzollern-Hechingen – derselbe Prinz, der ihrer Mutter lange zuvor angeboten hatte, ihre Ausbildung zu bezahlen. Erfahren Sie mehr über das glanzvolle Hofleben der Könige von Bayern.

Bei einem Auftritt am Hof lernte sie den Cellisten David Popper kennen, der zum Königlichen Kammermusik-Virtuosen ernannt worden war. Anfang 1872 heiratete Sophie Menter den bekannten tschechischen Cellisten David Popper im Wiener Rathaus. Nach der Hochzeit wurde sie in der Presse als Popper-Menter oder Menter-Popper bezeichnet.

Während der 1870er-Jahre tourten die beiden gemeinsam durch Europa.

Bis 1885 lebte das Paar getrennt und reichte praktisch zeitgleich beim Wiener Landesgericht für Zivilsachen die Scheidung ein. Im Januar 1886 wurden sie offiziell geschieden. Es wird vermutet, dass die Ehe zerbrach, weil Sophie bereits vor Beginn ihrer Beziehung mit Popper schwanger war. Im August 1872 wurde die Tochter Cölestine geboren, die später selbst Cellistin und Sängerin wurde. Verschiedene Quellen, darunter Dokumente in der Bayerischen Staatsbibliothek, deuten darauf hin, dass Franz Liszt Cölestines leiblicher Vater gewesen sein könnte.

Die Nachkommen

Sophie vermachte ihrer Tochter nur einen Teil ihres Vermögens; den Hauptanteil erhielten ihre Schwester Eugenia und ihre Nichte Lotte. Beide verzichteten jedoch zugunsten Cölestines auf ihren Erbteil.

Cölestine heiratete später den Ingenieur Moritz Robert Bergmann. Sie hatten zwei Kinder, Amalie und Franz Eugen. Sophies Urenkel zogen 1985 nach München. Ihre Urenkelin emigrierte in den 1990er-Jahren nach Spanien und lebt heute in Barcelona.

Ein Ururenkel von Sophie Menter ist der Pianist und Komponist Michael Andreas Haeringer (geboren 2001). Er ist ein spanischer Pianist, Komponist, Sänger und Produzent deutscher Abstammung. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Begabung wird er oft als musikalisches Wunderkind bezeichnet. Er erfuhr erst 2018 von seiner berühmten Ururgroßmutter, und zwar durch eine Ausstellung über ihr Leben und Werk, die auf den Forschungen von Dr. Diethmut Behm basierte.

Er steht seit einigen Jahren auf der Bühne und baut schrittweise seine Karriere als Pianist auf.

Auf dem Höhepunkt des Ruhms

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts galt Sophie Menter als eine der erfolgreichsten Pianistinnen Europas. Ihre Konzertreisen führten sie von Spanien über den Balkan bis nach Russland, von Italien bis nach England und Skandinavien. Der Kritiker Walter Niemann beschrieb die Pianistin als eine Kombination aus Virtuosität und Eleganz, feurigem Temperament, Geschmeidigkeit sowie vollendeter Beherrschung von Form und Erscheinung. Den Kritiker beeindruckte, wie harmonisch und einheitlich die Seele, der Geist und die Technik von Sophie Menter verschmolzen.

Sie umgab sich mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die ihre Virtuosität ebenfalls hoch schätzten – darunter Franz Liszt, Pjotr Tschaikowski, der bekannte Künstler Hermann Bang und viele andere. Menter pflegte eine enge Freundschaft mit Pjotr Tschaikowski, der ihr Werk „Ungarische Zigeuner-Rhapsodie“ orchestrierte.

Ihre Kompositionen waren hauptsächlich virtuose Klavierstücke im Stil von Liszt.

1884 kaufte sie in Österreich das Schloss Itter, um dort die Sommermonate zu verbringen. An diesem Ort empfing sie bedeutende Musiker, darunter Franz Liszt und Pjotr Tschaikowski.

Später verkaufte sie das Schloss und ließ sich in einem Landhaus in Stockdorf bei München nieder. Das Anwesen war groß und mit einem Maschendrahtzaun für ihre Katzen gesichert. In der Region wurde der Ort bald „Katzenvilla“ genannt.

Franz Liszt: Die Seelenverwandtschaft

Eine besondere Geschichte verdient ihre Beziehung zu dem 35 Jahre älteren Franz Liszt. Sie studierte seine „Werkstatt“ und andere äußerst anspruchsvolle Kompositionen. Schon in jungen Jahren gelang es Sophie Menter, ihn mit ihrem tadellosen Spiel des Klavierkonzertes Nr. 1 in Es-Dur tief zu beeindrucken. 1869, bei einem Konzert in Wien, lernte sie Franz Liszt persönlich kennen. Diese Zuneigung und Freundschaft hielt bis zu seinem Tod an.

Einige Quellen bezeichnen Sophie Menter als Liszts Schülerin, was jedoch nicht ganz zutrifft. Zum Zeitpunkt ihres Kennenlernens 1869 in Wien war sie bereits eine voll ausgebildete Pianistin. Franz Liszt nannte sie liebevoll „meine einzige Klavier-Tochter“. Im Sommer 1886 erschien Sophie am Sterbebett Liszts in Bayreuth, begleitet von ihrem Scheidungsanwalt. Ihr rotes Seidenkleid wurde dabei als besonders stilvoll und elegant beschrieben.

Ehrungen und Vermächtnis

Sophie Menter starb am 23. Februar 1918 in München. Sie wurde auf dem Alten Südfriedhof in München beigesetzt.

Nach ihrem Debüt in Großbritannien wurde ihr die Ehrenmitgliedschaft in der Royal Philharmonic Society verliehen.

Darüber hinaus war sie die erste Frau, der die Ehrenmitgliedschaft der London Philharmonic Society und später auch der Musikgesellschaft Innsbruck zuteilwurde.

Ihr zu Ehren wurden die Sofie-Menter-Straße in der Künstlerkolonie Stockdorf sowie die Menterstraße in München benannt.

Wenn große Persönlichkeiten von uns gehen, bleiben ihr Werk und ihre Kunst. Sophie Menter hinterließ zahlreiche erstaunliche und virtuose Kompositionen. Sie schrieb einen Walzer, den Claudio Arrau nach ihrem Tod spielte. Er beschrieb Sophie Menter als eine äußerst extravagante Favoritin Franz Liszts. Aufgrund ihres kraftvollen Spielstils galt sie als eine der herausragendsten Klaviervirtuosinnen ihrer Zeit.

Am besten ist es jedoch, selbst zuzuhören und in die Welt ihrer Musik einzutauchen.

Quellen:

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