Henriette von Schirach: Die Biographie einer Münchner Schriftstellerin, die Hitler persönlich anklagte

Henriette von Schirach (geb. Hoffmann) wuchs von Kindesbeinen an im nationalsozialistischen Umfeld ihrer Eltern und deren Kollegen und Freunde auf. Später gründete sie eine Familie mit einem NSDAP-Beamten. Doch als sie eines Tages mit eigenen Augen sah, wie jüdische Frauen in Viehwaggons gezwungen und in den Tod geschickt wurden, fand sie den Mut, sich dem Monster zu stellen. Henriette war eine der wenigen Menschen in Hitlers Umfeld, die ihn für seine Taten persönlich verurteilte. Mehr dazu auf munichka.eu.

Inmitten nationalsozialistischer Führungskräfte aufgewachsen

Henriette wurde am 2. Februar 1913 in München als Tochter von Hitlers persönlichem Fotografen Heinrich Hoffmann und der Sängerin und Schauspielerin Therese „Nelly“ Baumann geboren. Zusammen mit ihrem Bruder Heinrich wuchs sie in Schwabing, einem Stadtteil im Norden Münchens, auf.

Heinrich Hoffmann

Das Haus der Familie Hoffmann diente als Zufluchtsort für Nationalsozialisten. Heinrich Hoffmann war ein aktives Mitglied der Deutschen Arbeiterpartei, der Vorgängerpartei der NSDAP, deren Führer Adolf Hitler war.

Im Jahr 1922, im Alter von 9 Jahren, traf Henriette den späteren Diktator Deutschlands zum ersten Mal. Hitler, der Henriette „Mein Sonnenschein“ nannte, war in den nächsten Jahren ein häufiger Gast im Haus der Hoffmanns. Eva Braun, Hitlers Geliebte und spätere Ehefrau, arbeitete im Fotoatelier von Hoffmann und lernte Hitler 1929 dort kennen.

Ehefrau eines NSDAP-Funktionärs

Am 31. März 1932 heiratete Henriette Baldur von Schirach, einen nationalsozialistischen Jugendführer. Baldur entstammte der alten sorbischen Adelsfamilie von Schirach. Als Trauzeugen fungierten Adolf Hitler und Ernst Röhm.

Henriette und Baldur, 1932

Baldur kontrollierte das Bildungssystem im Dritten Reich und leitete die Hitlerjugend. Seine Hauptaufgabe bestand darin, die deutsche Jugend im nationalsozialistischen Geist zu erziehen.

Als Hitler ihn 1933 zum Reichsjugendführer ernannte, zog die Familie von Schirach in die Hofburg in Wien um. Baldur wurde Gauleiter von Wien und war verantwortlich für die Deportation von Juden aus Wien in Konzentrationslager.

Die entscheidende Konfrontation

Während des Zweiten Weltkriegs zerbrach Henriette schließlich 1943 mit dem nationalsozialistischen Umfeld und konfrontierte Hitler persönlich. Sie berichtete ihm von den Schrecken, die sie in Amsterdam mitangesehen hatte. Hitler reagierte mit Wut und wies sie an, die Residenz zu verlassen.

Für diese offene Kritik blieb Henriette relativ ungestraft. Sie und Baldur wurden aus der Partei ausgeschlossen und nahmen nie wieder an NS-Veranstaltungen teil.

Was geschah danach?

Baldur verlor jeglichen Einfluss und begann, für eine mildere Behandlung der Juden zu plädieren. Nach dem Krieg wurde Henriette 1946 aus der Haft entlassen und ließ sich 1949 von Baldur scheiden.

Henriettes Bücher über Hitler

Henriette von Schirach schrieb mehrere Bücher über Hitler. In ihrer Autobiographie Der Preis der Herrlichkeit (1956) beschreibt sie ihr Leben und ihre Begegnungen mit Hitler, versucht jedoch, Urteile zu vermeiden. In den späteren Büchern Anekdoten um Hitler (1980) und Frauen um Hitler (1983) schildert sie Hitler als Führer, der das Wohl anderer wünschte.

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