Modegeschichte: Die Kostümbibliothek von von Parisch

Im Herzen Münchens befindet sich ein einzigartiger Schatz der Modegeschichte – die Von Parish Kostümbibliothek. Sie ist eine der bedeutendsten europäischen Einrichtungen, die sich der Geschichte des Kostüms, der Mode, der Textilien und der angewandten Kunst widmet. Die Bibliothek ist eine wahre Quelle für jeden, der sich für die Entwicklung von Stil und Ästhetik im Laufe der Jahrhunderte interessiert. In ihren Beständen werden Tausende von Büchern, Zeitschriften und Grafiken aufbewahrt, die die Evolution der Kleidung dokumentieren. Im Folgenden erzählen wir mehr über diesen Ort. Mehr dazu auf munichka.eu.

Wer war Hermine von Parish

Hermine von Parish war eine Münchner Künstlerin und Kunstlehrerin. Hermine von Parish hatte nicht einmal eine vollständige Schulausbildung und lernte alles von ihrer Mutter (Hermine von Parish der Älteren). Sie eignete sich ihr Wissen im Bereich der Kunst- und Kostümgeschichte autodidaktisch an. Lange Zeit arbeitete sie in der Manufaktur für künstlerische Kostüme und Trachtenpuppen und erhielt 1938 die Erlaubnis, als Designerin zu arbeiten. Parallel dazu begann Hermine zusammen mit ihrer Mutter, ihre Sammlung für die Bibliothek aufzubauen.

Um die Unterbringung von Vertriebenen in ihrer Villa zu verhindern, gründeten Hermine und ihre Mutter 1945 zu Hause die Schule für bildende und angewandte Kunst von Parish. Der Lehrplan umfasste verschiedene Kunstformen und Design. Ergänzende Fächer waren Kunstgeschichte sowie Stil- und Kostümkunde. Hermine von Parish die Jüngere unterrichtete fast alle Disziplinen selbst.

Hermine von Parish die Jüngere selbst kleidete sich immer sehr bescheiden und einfach. Sie hielt nichts von extravaganter Kleidung, obwohl sie sich für die internationale Mode interessierte. Manchmal trug sie Perlen- oder Diamantohrringe, aber nur an Feiertagen.

Über das Interieur der Bibliothek

Von Parish die Ältere erwarb die Villa 1916 aus dem Erbe ihres verstorbenen Mannes, doch sie zogen erst 1936 hierher. Heute können wir im Erdgeschoss die Wohnräume der Familie von Parish besichtigen, die als historisches Ensemble erhalten geblieben sind. In den anderen Räumen befinden sich die Bibliothek selbst, die Archive und das Büro. Diese Villa war der Lebensmittelpunkt für zwei Frauen, die sich den Herausforderungen des 20. Jahrhunderts stellten.

Ursprünglich waren die Innenräume von einem ländlichen Jugendstil mit dunklen Farben und der Verwendung von Holz und Eisen geprägt. Bei der Renovierung im Jahr 2019 wurden hier Arbeiten der Innenarchitekten Gebrüder Rank entdeckt.

Über die Sammlung

Der Grundstein für die Sammlung wurde bereits vom Urgroßvater von Hermine von Parish gelegt. Er war an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste tätig und verfasste auch einen umfangreichen Katalog der Alten Pinakothek. Er besaß eine große Kostümsammlung, die nachfolgende Generationen, einschließlich der beiden Herminen von Parish, stets inspirierte.

Hermine von Parish die Ältere konnte es sich dank ihrer Ehe mit dem wohlhabenden Edmund von Parish leisten, die Sammlung zu erweitern. Nach dem Tod ihres Mannes setzte sie dies fort und übergab diese Aufgabe später an ihre Tochter.

Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1970 übertrug Hermine von Parish die Jüngere ihren Besitz an die Stadt München. Sie verkaufte der Stadt auch ihre Villa und zwei benachbarte Gebäude. Allerdings erhielt sie ein Wohnrecht im Erdgeschoss eines der Gebäude.

Die Sammlung gliedert sich in 5 Bereiche: Bücher, Grafiken und Zeichnungen, Zeitschriften, Fotografien und Dokumente. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der europäischen Mode. Einen besonderen Platz nehmen Theaterkostüme aus verschiedenen Epochen ein. Die Buchsammlung umfasst 10.000 Bände, die Grafik- und Zeichnungssammlung zählt 43.000 Blätter, die Fotosammlung 32.000 Abbildungen und die Dokumentensammlung 1,5 Millionen Einheiten.

Besuch der Bibliothek

Derzeit hat die Museumsbibliothek nur zwei Mitarbeiter. Besucher können die Bibliothek nach vorheriger Anmeldung besichtigen. Jährlich nimmt die Bibliothek auch am „Tag der Archive“ und am „Tag der offenen Tür“ teil. Dank der sorgfältigen Arbeit der Fachleute und der kontinuierlichen Unterstützung bleibt sie heute zugänglich für Forscher, Studenten und alle, die sich für Kostümgeschichte interessieren.

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